KASKA HASS PRESSE MARIAGE

 

Queer Wedding, 2009

Hochzeitsmoden – schön anders
Interview mit Designerin Kaska Hass

Wie sind Sie zur Mode gekommen?
Über Umwege! Ich habe mich schon immer mit Mode beschäftigt, aber anfangs mehr in Richtung Theater und Kostüm, um später auf den Alltag umzuschwenken. Mode ist ja ein Balanceakt. Sie soll nicht theatralisch wirken, sondern individuell auf Menschen zugeschnitten sein.

Die meisten Menschen kaufen von der Stange. Nicht so bei Hochzeiten – wie sind Sie bei der Hochzeitsmode gelandet?
Das hat lange gedauert. Ich wollte mich früher nicht spezialisieren und Mode für den Tag und den Abend entwerfen. Mit der Zeit aber kamen immer mehr Bräute in meinen Showroom, damals noch in Köln, die sich ganz und gar nicht in konventioneller Hochzeitsmode trauen lassen wollten. 2000 machte ich einen Schnitt. Ich schloss meinen Showroom, wollte etwas Neues beginnen, hab recherchiert und viel überlegt: In der Hochzeitsmode war die Zeit stehen geblieben! Man sah überall immer das Gleiche – da tat sich eine Lücke auf. Diese wollte ich mit meiner Mode ausfüllen.


Sie haben sich also getraut, etwas Neues anzufangen …
Ja, ich hab mich 2002 zum zweiten Mal selbständig gemacht, diesmal mit Hochzeitsmode, und diesmal in Berlin. Mit dem Namen „traut euch“ will ich allen mehr Mut zur Mode machen! Jeder sollte zu sich selbst stehen und nicht nur Trends hinterher jagen – auch und gerade in Sachen Hochzeitsmode.

Wer kommt zu Ihnen?
Meine Kundschaft ist querbeet. Hetero- wie Homosexuelle kommen aus den unterschiedlichsten Schichten und Milieus. Vor allem nutzen solche Menschen meine Dienste, die etwas Individuelles zur Hochzeit oder Verpartnerung wollen.

Ihre Erfahrungen mit schwuler Klientel?
Der schwule Kunde ist in der Regel visuell anspruchsvoller als der heterosexuelle Mann und legt mehr Wert auf Ästhetik. Es gibt viele extravagante Wünsche und verrückte Ideen – auf der einen Seite. Denn auf der anderen Seite drängen gesellschaftliche Konventionen ins Gewissen: Was sagt zum Beispiel die Verwandtschaft, wenn ich nicht im klassischen Anzug heirate?

Und mit lesbischen Kundinnen?
Die machen bei diesem Thema oft ganz neue Erfahrungen, weil sie sich auf einmal körperbewusster wahrnehmen als im Alltag. Die einen gehen mehr ins Feminine, die anderen sagen: Nur mit Hose! Generell gilt, dass viele experimentieren, also weg wollen von den gängigen Bekleidungsmodellen für diesen besonderen Tag.

Kommen die Leute mit konkreten Vorstellungen zu Ihnen?
Ja, mit der einen konkreten Vorstellung, dass sie kein traditionelles Hochzeitskleid bzw. -anzug tragen möchten. Sie suchen ein individuelles Outfit und lassen sich gerne durch meine Kollektion, die ausgefallenen Stoffe und Schnitte, die vielfältigsten farblichen Möglichkeiten inspirieren. Es ist ein wenig wie beim Theater. Ich versuche, den individuellen Charakter durch Form, Farbe und Material zu betonen. Erst berät man sich ausführlich, dann entwerfe ich einige Zeichnungen, zum Schluss den Schnitt. Das Nähen übernimmt eine Schneiderei in Berlin.

Lassen sich Trends ausmachen?
Die so genannte Fachwelt favorisiert derzeit Hellgrau. Das Thema Romantik in all seinen Facetten ist gerade angesagt. Man soll Weiß mit zarter Rosenspitze, dazu Rosenmuster auf dem Kleid, eng anliegende Korsagen und Schleier tragen – aber wie gesagt: wenn man sich an den gängigen Trends orientiert. Diese interessieren mich nur am Rande, ich muss sie aber kennen, auch wenn ich das genaue Gegenteil will – und meine Kunden ja auch. Höchstens als ironisches Zitat taucht so ein konventioneller Saisontrend bei mir auf. Man muss die traditionelle Rosenspitze ummünzen, sie gewissermaßen in die Gegenwart holen. Traditionen gehören ja gerade bei einer Hochzeit doch dazu. Die Person, die heiratet, und die Zeit, in der wir leben, aber auch. Individualität und feine Spitzen schließen sich also nicht aus …

Was kostet so ein Kleidungsstück, wenn ich es bei Ihnen entwerfen und schneidern lasse?
Ab etwa 1.000 Euro. Dafür gibt es ein ausgefallenes, individuelles Unikat, für das ich nur hochwertige Stoffe verwende.

Ich dachte, das wäre teurer. Können Sie aber auch Leuten helfen, die dieses Geld nicht aufbringen können?
Klar, denen zeige ich, wie man nur mit einem Kleidungsstück aus meiner Kollektion oder individuell neu entworfen ein vorhandenes Outfit – zum Beispiel einen Anzug – total verändern kann. Ein maßgeschneidertes Hemd mit raffinierter Struktur und Schnittführung lässt den vielleicht strengen Anzug dann edel und aufgelockert erscheinen. Der Anzug ist ohnehin ein perfektes Beispiel für die Auflösung von Geschlechterrollen in der Hochzeitsmode. So ähnlich wie Hemden, die die Herren jetzt lieber feminin eng geschnitten statt langweilig gerade geschnitten – also typisch männlich – zum Hochzeitsanzug tragen.

Lassen sich Trends ausmachen?
Die so genannte Fachwelt favorisiert derzeit Hellgrau. Das Thema Romantik in all seinen Facetten ist gerade angesagt. Man soll Weiß mit zarter Rosenspitze, dazu Rosenmuster auf dem Kleid, eng anliegende Korsagen und Schleier tragen – aber wie gesagt: wenn man sich an den gängigen Trends orientiert. Diese interessieren mich nur am Rande, ich muss sie aber kennen, auch wenn ich das genaue Gegenteil will – und meine Kunden ja auch. Höchstens als ironisches Zitat taucht so ein konventioneller Saisontrend bei mir auf. Man muss die traditionelle Rosenspitze ummünzen, sie gewissermaßen in die Gegenwart holen. Traditionen gehören ja gerade bei einer Hochzeit doch dazu. Die Person, die heiratet, und die Zeit, in der wir leben, aber auch. Individualität und feine Spitzen schließen sich also nicht aus …

Was kostet so ein Kleidungsstück, wenn ich es bei Ihnen entwerfen und schneidern lasse?
Ab etwa 1.000 Euro. Dafür gibt es ein ausgefallenes, individuelles Unikat, für das ich nur hochwertige Stoffe verwende.

Ich dachte, das wäre teurer. Können Sie aber auch Leuten helfen, die dieses Geld nicht aufbringen können?
Klar, denen zeige ich, wie man nur mit einem Kleidungsstück aus meiner Kollektion oder individuell neu entworfen ein vorhandenes Outfit – zum Beispiel einen Anzug – total verändern kann. Ein maßgeschneidertes Hemd mit raffinierter Struktur und Schnittführung lässt den vielleicht strengen Anzug dann edel und aufgelockert erscheinen. Der Anzug ist ohnehin ein perfektes Beispiel für die Auflösung von Geschlechterrollen in der Hochzeitsmode. So ähnlich wie Hemden, die die Herren jetzt lieber feminin eng geschnitten statt langweilig gerade geschnitten – also typisch männlich – zum Hochzeitsanzug tragen.

Interview: Andreas Hergeth

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